Welcher HR Trend prägt das Jahr 2019? Experten sind sich sicher: Insbesondere in der Personalentwicklung muss es in Sachen Digitalisierung endlich konkreter werden! Ansonsten ist die Gefahr groß, dass der Mensch und irgendwann die ganze Organisation auf der Strecke bleiben.

HR Trend 2019: Lebenslanges Lernen

Wer über die HR Trends nachsinnt, die die Arbeitswelt 2019 am meisten prägen, landet schnell bei einem zentralen Themenkomplex: „Lebenslanges Lernen“. Warum? Das ist schnell erklärt: Die Halbwertszeit von Wissen sinkt und sinkt. Überdauerte früher das Kow-how aus der Ausbildung oder dem Studium fast das ganze Berufsleben, ist Fachwissen heute kaum mehr fünf Jahre aktuell.

Diesen Change ausgelöst hat der technologische Wandel hin zu Künstlicher Intelligenz (KI), Robotics und Automatisierung. In den vergangenen fünf Jahren haben bereits 38 Prozent der Mitarbeiter die Erfahrung gemacht, dass Computer Teile ihrer Arbeit übernommen und sich Aufgabengebiete dadurch inhaltlich stark gewandelt haben. So lässt sich die Studie „Voice of the Workforce in Europe“ von Deloitte zusammenfassen.

Aber nicht nur fachliche Inhalte verändern sich schnell und schneller. Auch die Anforderungen an soziale Skills befinden sich im Wandel. Zum Beispiel, weil infolge der zunehmenden Digitalisierung und Globalisierung immer mehr Mitarbeiter in einer Matrix miteinander arbeiten.

Neue Formen der Zusammenarbeit

Das erfordert neue Kompetenzen in punkto Kollaboration: Arbeitnehmer müssen lernen, mit Kollegen zu kooperieren, die sie das ganze Jahr über nur in Telefon- und Videokonferenzen treffen. Hier sind Fähigkeiten wie Kommunikationstalent, Teamgeist und Organisationsfähigkeit sowie Projektmanagement gefragt. Diese müssen gefördert und gezielt entwickelt werden.

Denn gerade einmal mehr als die Hälfte der für die genannte Erhebung Befragten fühlt sich „bewandert“ in Teamwork-Skills (57 Prozent) und im Problem-Lösen (52 Prozent). Dahinter rangieren kommunikative Skills (48 Prozent) und Lernfähigkeit (41 Prozent).

Noch weiter abgeschlagen: Technisches Wissen (28 Prozent) und fortgeschrittene IT-Kenntnisse (21 Prozent). Fatal! Denn auch in diesen Bereichen müssen Mitarbeiter fit sein. Immerhin entwickeln sich digitale Anwendungen in der Berufswelt in immer schnellerem Tempo weiter. Um diese jederzeit optimal bedienen zu können, bedarf es stets aktuellem Anwenderwissen.

Den Mitarbeiter auf neue fachliche, soziale und digitale Anforderungen vorbereiten

Zusammenfassen lässt sich also sagen: Fachlich, sozial, digital – in diesen drei Punkten ist die Personalentwicklung künftig besonders gefragt. Jeder Mitarbeiter muss angemessen auf die neuen Anforderungen in diesen Bereichen vorbereitet werden. Und das nicht nur einmal, sondern kontinuierlich. Denn das Digitalzeitalter kennt keinen Stillstand. Ansonsten ist die Gefahr groß, dass zunächst der einzelne und irgendwann das ganze Unternehmen den Anschluss an die digitale Welt verpassen und hinter dem Wettbewerb herhinken.

Die gute Nachricht: Die Digitalisierung fordert den einzelnen Arbeitnehmer nicht nur. Sie fördert ihn auch. Insbesondere im Bereich der digitalen Personalentwicklung gibt es eine Vielzahl an Anwendungen, die HR helfen, den einzelnen Beschäftigten sehr individuell und passgenau zu fördern. Das macht die digitale Personalentwicklung zu einem der mit Abstand gewichtigsten HR Trends in 2019.

HR Trend 2019: Digitale Personalentwicklung

Die Personalentwicklungs-Tools unterstützen HR zum Beispiel dabei, die Ist- und Soll-Anforderungen für jeden Mitarbeiter automatisch abzugleichen und Lernangebote für jeden Lerntyp zu eruieren. Die Software schlägt im nächsten Schritt jedem Mitarbeiter passende Entwicklungsformate vor. Die Bandbreite reicht von Präsenz-, Blended-Learning- über E-Learning-Formate. Für diese kann sich der Mitarbeiter bequem im Self-Service anmelden.

Der hohe Automatisierungsgrad und die Bandbreite an Fortbildungsmöglichkeiten könnten mit einem Schlag viele Schwierigkeiten lösen, die Mitarbeiter laut der Deloitte-Studie bislang in punkto Weiterbildung hatten.

Sie bemängeln:
•  Niemand sagt ihnen, was sie lernen sollen.
•  Das Arbeitsumfeld unterstützt sie nicht in ihrer Entwicklung.
•  Sie kommen mit der angebotenen Lehrmethode nicht zurecht.
•  Die Themen, in denen sie sich fortbilden sollen, interessieren sie nicht.

HR Trend 2019: Mobile Learning

Was dabei auffällt: Rund die Hälfte der Befragten bis 35 Jahre würde gerne Apps für die eigene Weiterbildung nutzen. Auch hierin lässt sich ein wichtiger HR Trend für das Jahr 2019 erkennen: Mobile Learning.

Es vereint viele Vorteile auf sich: Wissen steht dank mobiler Anwendungen immer dann zur Verfügung, wenn es gerade gebraucht wird. Durch kleine mobile Micro-Lerneinheiten wie Videotutorials, Podcasts oder spezifische Blogbeiträge. Dieses Micro-Learning ist gerade in hochagilen Bereichen von Bedeutung. Hier entstehen Wissenslücken schneller als in anderen Sektoren, können mit den richtigen Anwendungen aber auch genauso schnell wieder gestopft werden.

HR Trend 2019: Die Personalentwicklung wird mobil

Dazu bieten HR-Software-Hersteller bereits für Auszubildende speziell entwickelte Smartphone-Apps an, über die sie sich betriebsrelevantes Wissen mit ein paar Fingertipps verfügbar machen können, sobald sie es brauchen. So haben Lehrlinge oder Trainees relevante Informationen, die sie inhaltlich weiterbringen, immer griffbereit.

Soweit, so gut. Die Krux ist nur: Die wenigsten Unternehmen verfügen über solche Tools. Fast 38 Prozent der für den HR-Software-Report 2018 Befragten wünschen sich eine bessere Software für das hausinterne Talent- und Bildungsmanagement. Die Umfrage wurde von dem Magazin personalmanager gemeinsam mit den Netzwerkportalen HRM.at, HRM.de und HRM.ch durchgeführt.

Die digitale Personalentwicklung muss effizient organisiert sein

Der Wunsch kommt nicht von ungefähr. Um bestehende Kompetenzlücken zu schließen, handeln viele Angestellte nämlich immer häufiger eigeninitiativ und konsultieren zum Beispiel ihr Smartphone, um sich spezifische Wissensspritzen einzuholen.

Doch dieses Vorgehen ist mit Problemen verbunden:
•  Mitarbeiter müssen oft lange suchen. Das kostet wertvolle Zeit.
•  Die gefundenen Antworten sind meist nicht so passgenau wie erhofft.
•  Lücken können in der Folge nicht effizient geschlossen werden.
•  Manchmal vertrauen Mitarbeiter auf unglaubwürdige Quellen und treffen Entscheidungen auf Basis falscher Informationen. Das führt zu einer schlechteren Produktqualität.

Digitale Personalentwicklung: Der Stein muss endlich ins Rollen kommen

Zig Gründe sprechen also dafür, dass der Stein der digitalen Personalentwicklung endlich ins Rollen kommt. Deutsche Betriebe müssten aufhören, den Fokus in der Personalentwicklung auf den klassischen Frontalunterricht zu richten, kritisierte erst jüngst Elke Eller, Personalvorstand der TUI Group und Präsidentin des Bundesverbands der Personalmanager, in einem Interview.

Möglicherweise tun sie das nicht, weil sie vor dem Aufwand zurückschrecken, den die Auswahl und Einführung einer Software mit sich bringt. Doch das ist unbegründet. Zum Beispiel helfen Präsentationen von Softwareanbietern und Testzugänge weiter, die Entscheidung für das richtige Tool zu fällen. Das sollte Entscheidungsträgern die Zukunftsfähigkeit des eigenen Unternehmens Wert sein.