In Kliniken arbeiten Pflegepersonen mit unterschiedlichen Qualifikationen oft an denselben Versorgungssituationen. Trotzdem tragen sie nicht dieselbe Verantwortung. Genau hier setzen die BAPID III Kompetenzprofile für die Klinik an.

Sie beschreiben nicht nur, wer eine Tätigkeit ausführt, sondern vor allem, wer eine Situation beobachtet, beurteilt, steuert oder wissenschaftlich weiterentwickelt.

Kurz erklärt: Die BAPID-Typen II bis V ordnen unterschiedliche Qualifikationsniveaus und Verantwortungsbereiche in der Pflege ein.

BAPID III ist dabei weder Tätigkeitskatalog noch Delegationsmatrix. Die Profile dienen als Orientierungsrahmen für Kompetenzen und professionelle Verantwortung. Sie beantworten die Frage „Wer darf was?“ daher nicht im Sinne einer rechtsverbindlichen Befugnis- oder Delegationsregelung. Der konkrete Handlungsspielraum ergibt sich immer aus den gesetzlichen Vorgaben, der Qualifikation, der individuellen Kompetenz und dem organisatorischen Auftrag.

Was ist BAPID überhaupt?

Die Bildungsarchitektur der Pflege in Deutschland (BAPID) wird im Auftrag des Deutschen Pflegerats bearbeitet. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel war ich selbst an der Entwicklung der BAPID III Kompetenzprofile beteiligt. Die Kompetenzprofile wurden in einem iterativen und partizipativen Prozess entwickelt, in den Fachpersonen und Praxispartner ihre Perspektiven einbrachten.



Was sind die BAPID III Kompetenzprofile?

Die BAPID III Kompetenzprofile beschreiben, welche Kompetenzen und Verantwortungsbereiche mit unterschiedlichen Qualifikationsniveaus in der Pflege verbunden sind. Sie machen sichtbar, wie sich die Rollen der BAPID-Typen II bis V voneinander unterscheiden.

Dabei geht es nicht nur um einzelne Aufgaben. Entscheidend ist, wer eine Pflegesituation beobachtet, fachlich beurteilt, den Pflegeprozess steuert oder wissenschaftlich fundiert weiterentwickelt. Für Kliniken bieten die Profile damit einen gemeinsamen Referenzrahmen für die Zusammenarbeit unterschiedlicher Qualifikationen.

„Wer darf was?“ – warum die Tätigkeit allein nicht entscheidet

Ob eine Pflegeperson eine Maßnahme durchführt, sagt noch nicht, wer die fachliche Verantwortung trägt. Entscheidend ist, wer Beobachtungen einordnet, Risiken bewertet und das weitere Vorgehen festlegt.

Ein Beispiel: Eine Person misst und dokumentiert einen Wert. Eine andere beurteilt ihn im Zusammenhang mit der gesamten Pflegesituation und entscheidet über die nächsten Schritte.

Von der Aufgabe zur professionellen Verantwortung

BAPID III unterscheidet deshalb nicht nur nach Tätigkeiten, sondern nach der Verantwortung, mit der Pflegepersonen eine Situation bearbeiten. Diese Logik bildet die Grundlage für die BAPID-Typen II bis V.

Die BAPID-Typen II bis V im Überblick

Die Kompetenzprofile unterscheiden sich vor allem durch den Umfang der professionellen Verantwortung:

BAPID Typ II

Qualifikationsniveau: Pflegefachassistenz

Schwerpunkt: Übertragene Aufgaben in stabilen, standardisierten Pflegesituationen unter Anleitung und nach Delegation durchführen, beobachten, dokumentieren und Auffälligkeiten weitergeben

BAPID-Typ II umfasst die Pflegefachassistenz. Sie führt unter Anleitung und nach Delegation durch eine Pflegefachperson übertragene, standardisierte pflegerische Maßnahmen durch, beobachtet Veränderungen und dokumentiert ihre Tätigkeiten. Auffälligkeiten gibt sie an die zuständige Pflegefachperson weiter. Ihre Verantwortung liegt damit nicht nur in der korrekten Durchführung, sondern auch in der aufmerksamen Beobachtung und zuverlässigen Kommunikation. Die Verantwortung für die Planung, Steuerung und Evaluation des Pflegeprozesses liegt bei der Pflegefachperson.

BAPID Typ III

Qualifikationsniveau: Pflegefachperson mit staatlicher Berufszulassung

Schwerpunkt: Den Pflegeprozess eigenverantwortlich planen, steuern und evaluieren

BAPID-Typ III beschreibt die Pflegefachperson mit staatlicher Berufszulassung. Sie erhebt den Pflegebedarf, erkennt Risiken und legt pflegerische Prioritäten fest.

Darauf aufbauend plant, steuert und evaluiert sie den Pflegeprozess. Sie koordiniert Maßnahmen, stimmt sich mit anderen Berufsgruppen ab und behält die gesamte Pflegesituation im Blick. Darüber hinaus berät, schult und leitet sie Patienten sowie An- und Zugehörige an.

BAPID Typ IV

Qualifikationsniveau: Pflegefachperson auf Bachelorniveau

Schwerpunkt: Pflegerische Praxis wissenschaftsbasiert begründen, reflektieren und weiterentwickeln

BAPID-Typ IV umfasst Pflegefachpersonen auf Bachelorniveau. Sie schätzen Pflegesituationen wissenschaftsbasiert ein und beziehen wissenschaftliche Erkenntnisse in die Versorgung ein.

Dabei unterstützen sie das Pflegeteam, fördern den Wissenstransfer und übernehmen Verantwortung für die begründete Weiterentwicklung pflegerischer Praxis. Ihre Rolle bleibt in der direkten Versorgung verankert.

BAPID Typ V

Qualifikationsniveau: Pflegefachperson mit pflegewissenschaftlichem Masterabschluss

Schwerpunkt: Fallführende klinisch-wissenschaftliche Expertise einbringen und Versorgungskonzepte entwickeln und evaluieren

BAPID-Typ V beschreibt Pflegepersonen mit einem pflegewissenschaftlichen Masterabschluss. Sie bringen erweiterte klinische Expertise in die direkte Versorgung ein und beraten das Behandlungsteam. Darüber hinaus analysieren sie wiederkehrende Versorgungsprobleme, entwickeln evidenzbasierte Konzepte und begleiten deren Umsetzung und Evaluation. Ihre Rolle verbindet die direkte klinische Versorgung mit der Weiterentwicklung pflegerischer Konzepte und Strukturen.

Wie die BAPID-Typen II bis V zusammenarbeiten

Die Kompetenzprofile stehen nicht in Konkurrenz. Sie ergänzen sich in der Versorgung:

  • Typ II führt übertragene Maßnahmen unter Anleitung und nach Delegation durch, beobachtet und berichtet.
  • Typ III beurteilt die Gesamtsituation und steuert den Pflegeprozess.
  • Typ IV bringt wissenschaftliche Erkenntnisse in die Versorgung ein und entwickelt die pflegerische Praxis weiter.
  • Typ V verbindet fallführend klinisch-wissenschaftliche Expertise in der direkten Versorgung mit der Entwicklung und Evaluation von Versorgungskonzepten.

Der Qualifikationsmix braucht klare Schnittstellen

Damit dieses Zusammenspiel gelingt, müssen Verantwortungsbereiche, Übergaben und Kommunikationswege eindeutig geregelt sein. Erst dann können die unterschiedlichen Qualifikationen ihre jeweilige Stärke in die Versorgung einbringen.

Der BAPID-Typ ist dabei nicht mit einer konkreten Stelle gleichzusetzen. Der tatsächliche Handlungsspielraum ergibt sich aus Qualifikation, individueller Kompetenz und organisatorischem Auftrag.

Was Kliniken aus den Kompetenzprofilen ableiten können

Die BAPID III Kompetenzprofile sind keine fertigen Stellenbeschreibungen. Sie können Kliniken jedoch dabei unterstützen, Rollen, Verantwortungsbereiche und Schnittstellen klarer zu gestalten.

Wichtig ist, dass Qualifikation, übertragene Verantwortung und organisatorischer Auftrag zusammenpassen. So lassen sich die Kompetenzprofile als Orientierung für Stellenprofile, Qualifikationsmix und Personalentwicklung nutzen.

Fazit – professionelle Verantwortung macht den Unterschied

Die BAPID III Kompetenzprofile ordnen die Typen II bis V nicht allein nach Tätigkeiten, sondern nach dem Umfang und der Form ihrer professionellen Verantwortung.

So wird sichtbar, wer Maßnahmen durchführt, wer den Pflegeprozess steuert, wer wissenschaftliche Erkenntnisse einbringt und wer fallführende klinisch-wissenschaftliche Expertise mit der Weiterentwicklung von Versorgungskonzepten verbindet. Für Kliniken entsteht damit ein Orientierungsrahmen, um unterschiedliche Qualifikationen sinnvoll zusammenzuführen.

BAPID III legt dabei nicht abschließend fest, wer eine einzelne Tätigkeit ausführen darf. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Qualifikation, individueller Kompetenz und organisatorischem Auftrag.

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Katharina Genz

Über den Autor

Katharina Genz

Katharina Genz ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und arbeitet selbst im Projekt BAPID mit. Sie bringt praktische Pflegeerfahrung, wissenschaftliche Expertise und umfassende Veröffentlichungen zur Bildungsarchitektur der Pflege mit.

Wer wir sind

1994 entstand easySoft aus der Idee, endlose Papierlisten für die Fortbildungs­planung von Pflegekräften zu digitalisieren. Bis heute kommen viele unserer Mitarbeiter aus dem Gesundheits­wesen und bringen ihre Perspektive bei unseren Lösungen für das Bildungs­management und die Personal­entwicklung ein.

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