Es gibt viele Studien, die sich damit beschäftigen, wie das Recruiting der Zukunft aussehen wird, was Bewerber wirklich wollen und vor welchen Schwierigkeiten Personaler stehen. Da kann man auch gerne mal den Überblick verlieren. Wir haben für Sie die Trends zusammengefasst, die wir weiter im Kommen sehen.

Bewerbungen werden nach dem Motto Quantität vor Qualität versendet

Wer mit Menschen in der Bewerbungsphase spricht, stellt fest, dass über 100 Bewerbungen für einen neuen Job heute schon fast ein Standard geworden sind. Trotzdem klappt es oft nicht. Zum einen, weil die Bewerber oft nur Firmenname und Ansprechpartner im Anschreiben austauschen. Zum anderen, weil auch Unternehmen oftmals ihre Stellenausschreibungen unpräzise und voller allgemein gehaltener Anforderungen formulieren. Es scheint immer noch wichtiger zu sein, möglichst viele Bewerbungen auf eine Stelle zu erhalten, als die richtigen. Doch auch Bewerber beschäftigen sich meist nicht wirklich mit der Stelle oder dem Unternehmen. Die Chance auf einen Job ist ja sowieso gering, daher lohnt sich der Aufwand im Vorfeld gar nicht. So kommt es zum Gießkannenprinzip beim Bewerbungsschreiben. Das Denken „Klasse statt Masse“ sollte sich dringend in den Köpfen von beiden Seiten – Personalabteilungen, wie Bewerbern – festsetzen.

Tödliche Routine im Vorstellungsgespräch

Vorstellungsgespräche scheinen leider immer noch nach Schema F abzulaufen. Der Bewerber betet seinen Lebenslauf herunter und startet dann damit eventuelle Lücken zu erklären. Wenn dann noch die Frage nach Stärken und Schwächen und die bereits vor Wochen schön auswendig gelernte Antwort kommt, müssen Teilnehmer auf beiden Seiten oft ein Gähnen unterdrücken. Hoffentlich wird sich dieser Trend im Laufe der Zeit umkehren und wir erleben wieder ein echtes Kennenlernen. So fällt auch die Wahl viel eher auf die richtigen Kandidaten bzw. die richtige Stelle.

Reicht fast für ein Schauspieldiplom

Bloß nicht aus der Reihe fallen, auf jeden Fall an alle Gegebenheiten anpassen, die Lücke im Lebenslauf als Bildungsweltreise verkaufen und die Schwächen in lächerliche Stärken verdrehen. Das ist für Bewerber heutzutage Gewohnheit. Natürlich sind sie zudem alle teamorientiert, kommunikationsstark, belastbar und flexibel – und langweilig, wenn wer im Einheitsbrei untergeht ist im Zweifelsfall halt auch nicht auffallend besser als die anderen. Hier ist Mut zur Persönlichkeit und Mut zur Ehrlichkeit gefragt – es wird oftmals sogar belohnt.

Das Geflügelte Wort 2016

„Candidate Experience“ war schon fast das Unwort des Jahres, so oft stolperte man darüber in Fachartikeln und Blogbeiträgen (ja auch in unseren). Doch hat das auch wirklich Einzug ins Recruiting gehalten? Bewerber erhalten in der Regel immer noch auf knapp 40 Prozent ihrer Bewerbungen keine Antwort, beim Bewerbungsgespräch wartet man gerne mal eine Stunde vor Ort oder der Termin wird von vornherein mehrmals verschoben. Den möglicherweise zukünftigen Arbeitsplatz kennenlernen ist sowieso nicht möglich, denn „für sowas hat keiner Zeit“. Stellen werden ausgeschrieben, nicht besetzt, erneut ausgeschrieben, Bewerber werden eingeladen und hören dann nie wieder etwas vom Unternehmen – oder erst Monate später… Hier scheint trotz allem noch viel Optimierungsbedarf zu liegen.

Alte Hasen oder kalter Kaffee?

Das ist die letzte Chance nochmal den Job zu wechseln. Viele Menschen um die vierzig denken so. Das wirklich bemerkenswerte an der Sache ist: Sie scheinen Recht zu haben. Ab Mitte 40 scheint es doppelt so schwer zu werden einen neuen Job zu finden. Dies sieht man auch an den Reaktionsquoten auf abgeschickte Bewerbungen. Gehört man mit 45 schon zum alten Eisen? Und woher kommt dieser Jugendwahn in den Unternehmen? Vor allem mit Blick auf den immer mehr drohenden Fachkräftemangel und die demografische Entwicklung ist diese Einstellung nicht wirklich nachvollziehbar. Hier wird es in den nächsten Jahren eine Richtungsänderung geben müssen. Wenn Erfahrung wieder geschätzt wird, lässt sich die Lücke an qualifizierten Mitarbeitern auch leichter schließen.

Das Tinder für Jobs

Mobile Recruiting ist inzwischen schon weit über schlecht mobil optimierte Stellenanzeigen oder Jobangebote in Sozialen Medien hinaus. Inzwischen gibt es sogar Apps wie truffls, in denen man sich, wie bei bekannten Datingapps, durch Jobs „durchwischen“ kann. Nach links bedeutet uninteressant, nach rechts heißt, man fühlt sich angesprochen. Ein interessanter Trend, vor allem, wenn man bedenkt, dass trotz der mobilen Optimierung immer noch die meisten Bewerber ihre Unterlagen auf dem heimischen Computer erstellen und dann im Bewerbungsportal hochladen.
Doch insgesamt könnte dieser Trend, auch wenn unterstellt werden kann, dass hier der Bewerbungsprozess nicht ernst genug genommen wird, einen echten Fortschritt bedeuten. Noch sind diese Apps nicht ausgereift genug, aber ein erster Schritt in die Zukunft. Bewerber sollten versuchen mit der Digitalisierung ebenso Schritt zu halten wie die Unternehmen.

Was sind für Sie kommende Trends? Wo sehen Sie noch Handlungsbedarf in den kommenden Jahren? Verraten Sie es uns doch in den Kommentaren.