50 Prozent Arbeitszeit und 50 Prozent Verantwortung bei 50 % Gehalt – Jobsharing ist die Alternative für Positionen, in denen der Arbeitnehmer gerne in Teilzeit arbeiten will, die Stelle aber nur in Vollzeit abgedeckt werden kann. Das klingt natürlich nach der perfekten Lösung, birgt aber auch gewissen Stolperfallen.

Auf Messen und Kongressen war es DAS Thema. Jobsharing als Mittel um hervorragende Mitarbeiter im Unternehmen zu halten oder neue qualifizierte Talente anzulocken. Es klingt auch fast zu gut, um wahr zu sein. Eine Führungsposition, sogar mit Personalverantwortung und ein verlässlicher Partner, mit dem man sich nicht nur Stundenzahl und Gehalt, sondern auch Verantwortung und Arbeit teilt. Mit dieser Methode versuchen Arbeitgeber erfolgreiche Mitarbeiter zu halten, die beispielsweise nach einer Elternzeit gerne in Teilzeit wechseln würden, ohne ihre Position aufzugeben. Doch so schön und einfach es in der Theorie klingt, in der Praxis ist dieses Model noch sehr selten zu finden.
Dort, wo es zur Anwendung kommt, kristallisiert sich aber eine eindeutige Tendenz heraus. So sind zwar nur neun Prozent der normalen Teilzeitstellen mit Männern besetzt.  Bei den Jobsharing-Interessenten liegt der Anteil aber bei einem Drittel. Vor allem in Stellen, die bisher aufgrund ihrer komplexen Aufgaben als typische Vollzeitjobs galten, werden durch das Jobsharing abgedeckt.

Dabei ergeben sich für alle Beteiligten viele Vorteile.  Mitarbeiter können trotz anspruchsvoller Stelle ihre Arbeitszeit reduzieren und tragen nicht mehr die volle Last der Verantwortung. Sie können sich bei schwerwiegenden Entscheidungen untereinander beraten und erhalten so nochmals die Möglichkeit auch eine andere Sichtweise auf Probleme oder Möglichkeiten zu erleben.
Das Unternehmen auf der anderen Seite hat nicht nur die Möglichkeit seine hoch qualifizierten und erfolgreichen Mitarbeiter zu halten, es vermeidet außerdem, dass die Arbeit bei Abwesenheit zum Stillstand kommt oder wichtige Entscheidungen nicht getroffen werden können. Zudem können die verschiedenen Talente und Stärken von zwei Personen auf einer Stelle kombiniert werden. Damit kommen Sie der viel gesuchten „eierlegenden Wollmilchsau“ so nahe wie noch nie.
Zudem gibt es keinen Wissensverlust, wenn doch mal jemand das Unternehmen oder die Stelle wechselt, da noch eine weitere Person da ist, die Abläufe und Aufgaben genauso gut kennt.

Trotzdem ist Jobsharing in deutschen Firmen noch nicht weit verbreitet. Dies liegt auch daran, dass diese Variante nicht nur Vorteile hat. Für Arbeitnehmer gibt es rechtlich einige ungeklärte Fragen, wie beispielsweise was bei einer Veruntreuung von Geldern geschieht, da es schwer ist nachzuweisen, wer auf dieser Position daran beteiligt war. Aber auch kleine Fragestellungen wie, was passiert, wenn einer der beiden auf der geteilten Anstellung gekündigt wird oder wie stellt man sicher, dass nicht der eine die Unzuverlässigkeit oder Fehler des anderen mitverantwortlich tragen muss. Außerdem funktioniert ein solches Tandem natürlich nur, wenn beide Partner ähnliche Einstellungen zu ihrer Arbeit haben, was Gründlichkeit, Verantwortung und Leistung angeht.
Aus Unternehmenssicht ist es zudem eine Kostenfrage, denn natürlich reicht es bei dieser Variante nicht, wenn die Mitarbeiter zusammen 100 Prozent arbeiten. Zwischen zehn und zwanzig Prozent mehr sind immer nötig, damit es gewisse Überschneidungen gibt, in denen sich die beiden austauschen können oder einfach das weitere Vorgehen in bestimmten Projekten abstimmen.

Aus diesen Gründen lassen sich vor allem Arbeitgeber im Moment noch eher selten auf Jobsharing ein und das meist nur, wenn die wichtigen Mitarbeiter kompromisslos darauf bestehen. Noch ist Jobsharing ein Nischenphänomen, ob sich das trotz der vielen Alternative im Bereich der Teilzeitarbeit und Arbeitszeitreduzierung ändern wird, bleibt abzuwarten.

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Jobsharing gemacht? Berichten Sie uns davon in den Kommentaren. Wir sind gespannt!