Vor allem für technische Berufe wird spätestens für das Jahr 2030 ein enormer Fachkräfteengpass vorausgesagt. Diese Prognose leitet sich aus den aktuellen Trends auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt ab. Zu diesem Schluss kam zumindest eine Studie der gemeinsamen Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), welche sich vor allem aus regionalen Ergebnissen zusammensetzt.

Die einzelnen Regionen in Deutschland werden jedoch in sehr unterschiedlichem Ausmaß betroffen sein. Dies liegt vor allem an der wirtschaftlichen und demografischen Situation in den Gebieten. Vor allem für Fachkräfte mit einem mittleren Bildungsabschluss ist jedoch in fast allen Regionen Deutschlands mit einem Engpass zu rechnen. Eine Ausnahme bildet Baden-Württemberg, da hier eine abgeschlossene Berufsausbildung traditionell noch einen höheren Stellenwert hat als in anderen Bundesländern. Hier ist die Quote der Jugendlichen, die das Bildungssystem ohne Abschluss verlassen, besonders niedrig. Mit einem Mangel an Akademikern ist dagegen nur im Osten zu rechnen.

Was die einzelnen Berufsfelder und Regionen angeht, wird es jedoch sehr unterschiedliche Ausprägungen geben. Ein Fachkräftemangel zeichnet sich vor allem in Berufen ab, die einen Berufs- oder Fortbildungsabschluss voraussetzen. Deutschlandweit wird der Engpass vor allem in technischen Berufen relevant sein. Dies trifft vor allem Elektrotechniker, Bautechniker, Vermessungstechniker, Technische Zeichner aber auch Biologie-, Physik- und Chemielaboranten. Auch in Gesundheitsberufen wird ein Engpass vorausgesagt, welcher sich jedoch eher regional auswirken wird. Dafür wird bereits ein flächendeckender Überschuss an Kandidaten für kaufmännische Dienstleitungsbereiche, lehrende sowie rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Berufe angekündigt.

Für die Regionen im Einzelnen bedeutet dies eine zunehmende Spezialisierung auf berufliche Ausrichtungen.
Im Norden sind beispielsweise Engpässe im landwirtschaftlichen Bereich möglich. Zudem werden vor allem Technische Berufe und der Bereich Bau unter einem Mangel leiden. Ein Überangebot wird in Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein sowie Nordrhein-Westfalen, aufgrund einer stärkeren Qualifizierung, primär in Gesundheitsberufen vorkommen.

Die Region Mitte-West dagegen hat einen Überschuss im Bereich der rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Berufe sowie im Kaufmännischen Bereich. Ebenso werden Technische Berufe vom Fachkräftemangel betroffen sein.

Bayern und Baden-Württemberg haben als einzige Bundesländer ein Bevölkerungswachstum zu verzeichnen. Da hier das produzierende und verarbeitende Gewerbe die Wirtschaft antreibt, wird es vor allem im Berufsbereich der Steuerung, Bedienung und Wartung von Maschinen aber auch im IT- und naturwissenschaftlichen Bereich, zu einem Überschuss an Arbeitskräften kommen.

In Berlin und den neuen Bundesländern wird durch den demografischen Wandel ein starker Bevölkerungsrückgang prognostiziert. Daher wird dort ab 2020 das Gesundheitswesen die größte Branche darstellen. Durch den starken Rückgang an verfügbaren Arbeitskräften, wird es in fast allen Berufsfeldern und Branchen zu Schwierigkeiten bei der Rekrutierung kommen.

Jedoch sind die Ergebnisse der Studie nicht unabänderbar. Dies ist lediglich eine Prognose, falls die aktuellen Entwicklungen sich in solchen Umfang fortsetzen werden. Durch mehr regionale Mobilität und berufliche Flexibilität könnte sowohl der Fachkräftemangel als auch die Kandidatenüberschüsse teilweise ausgeglichen werden.

Sie möchten noch mehr wissen? Die Studie finden Sie online unter http://doku.iab.de/kurzber/2015/kb0915.pdf